Erinnerung an die Zeit nach 9/11 und die Frage nach einem Mahnmal

Nach 9/11 entwickelte sich bald eine gestalterische Diskussion darüber, wie man die Erinnerung an die Terrorangriffe verorten könnte. Es wurden zwei Memorial Competitions ausgerufen, für das Pentagon im Jahr 2002 und für Ground Zero im Jahr 2003, dem vormaligen Standort des World Trade Center in Manhattan. Ich nahm an beiden Wettbewerben als junger Architekt teil. 

Der Beitrag für Ground Zero verbindet mich mit einem anderen Teilnehmer: Fritz Koenig. Er hatte, entgegen der Forderung "it's broken, you have to fix it", seine Kugelkaryatide stoisch mit Zeichen der Beschädigung wieder dort aufstellen wollen, wo sie vorher gestanden hatte. Aus architekturtheoretischer Perspektive drückt er damit den Alterswert im Gegensatz zum Neuheitswert aus, der Angriff und die Schäden werden Teil der unausweichlichen Zeichenhaftigkeit des Kunstwerks.

Mein Beitrag hybridisert die getöteten Menschen symbolisch mit der neuen Landschaft. Dabei wollte ich ein "numbers game" vermeiden. Damit meine ich, dass die Zahl der Opfer zum bestimmenden Gestaltungselement wird. Es gibt Stelen mit und welche ohne Überreste und sie sind auf diesem "Feld" auf eine Weise verteilt, die mit der Logik des Holocaust Memorial in Berlin verwandt ist – der Raum wird egalitär. Die Stelen des Berliner Projekts durchwanderte ich das erste Mal im Jahr 2005. Dass ich mit einem der beteiligten Architekten ein paar Jahre später in der Hochschullehre zusammenarbeitete, ist ein unglaublicher Zufall, ein anekdotisches, wenn auch versöhnliches Beispiel einer vernetzten Welt.


Beitrag, Ground Zero Memorial Competition, Mark Kammerbauer (2003)

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