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Rezensionen zu Bavarität 3/3

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Rezension zu Bavarität (Detlev Kurth, Raumforschung und Raumordnung 03/25) Das Buch „Bavarität“ von Mark Kammerbauer beschäftigt sich mit der vielschichtigen Baukultur in Bayern und wie sie auf multiple Krisen reagiert, historisch und in der Gegenwart. Der Autor verknüpft dafür Ansätze aus Architektur, Städtebau und Stadtplanung in einem sozioökonomischen und kulturellen Kontext. Besonders hervorgehoben wird dabei der partizipative Ansatz, aber auch die Frage, wie Baukultur im öffentlichen Raum gesehen und verstanden, aber auch imaginiert werden kann. Es handelt sich um eine Sammlung von teils sehr unterschiedlichen Aufsätzen, die der Autor zu Themen der Baukultur verfasst hat. Baukultur in Bayern steht in einem steten Spannungsfeld aus Urbanität und Ruralität, aus Bodenständigkeit und Internationalität. Im Kontext des ländlich-städtischen Kontinuums, in dem Tradition und Moderne interagieren, schlägt der Autor den Begriff „Bavarität“ für diese soziokulturelle Leistung vor. Sehr deutli...

Rezension zu Bavarität 2/3

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Mit bayerischer Baukultur aus der Krise? (Manuel Kögelmaier, DAB 07/24) Der gut 130 Seiten umfassende Band konstatiert zahlreiche, die Gegenwart prägende Krisen, auf die er Antworten aus Architektur und Baukultur innerhalb des Freistaats Bayern zu geben sucht. Dabei orientiert sich Kammerbauer an einem breiten, um soziale Fragen erweiterten Raumbegriff, der die Deutung der Krisen als räumliche Phänomene zulässt. Angelegt ist das Buch als aktualisierte und erweiterte Sammlung bereits veröffentlichter Texte. So entsteht ein Querschnitt durch das essayistische Schaffen des Autors in den letzten sechs Jahren. Daher finden sich darin hochaktuelle Themen wie jenes des Hochwasserschutzes, aber auch solche, denen man ihr Alter ein wenig anmerkt. Im Ergebnis gliedert sich die Neuzusammenstellung in Abschnitte zu „Raum als Text“, „Raum als Krise“, „Raum für Baukultur“, „Raum zum Wohnen“ und den abschließenden „Raum für Visionen“. Als übergreifender Leitgedanke fungiert der Begriff der „Bavarität...

Rezension zu Bavarität 1/3

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Empfehlungen (Meike Weber, meike-weber.de, 09/24) Das aktuelle Buch des Architekturforschers und Urbanisten Mark Kammerbauer, erschienen im Verlag Springer Spektrum, befasst sich mit der Architektur, dem Städtebau und der Stadtplanung im Freistaat Bayern aus interdisziplinärer, urbanistischer Sicht. Damit verbundene baukulturelle Partizipation kann zur Bewältigung von Krisen beitragen, wenn sowohl Akteure der Planung und Gestaltung als auch der Nutzung berücksichtigt werden. Ziel des Buches ist, den gebauten Raum Bayerns zu lesen und zu verstehen, ihn einer Kritik zu unterziehen, dabei die Erfolge nicht auszublenden, um Lösungen zu präsentieren und um schliesslich Raum für die Reflexion und das Imaginieren zu bauen. Wenn Menschen die gebaute Umwelt lesen und verstehen, dann informiert das auch ihr Handeln, insbesondere, wenn sie partizipativ an Planung und Gestaltungsprozessen für die Errichtung des gebauten Raums beteiligt sind. Um diese Phänomene ihrem Kontext entsprechend zu fassen ...

Bavarität – Outtakes part 6

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Dieser Beitrag ist eigentlich kein Outtake im eigentlichen Sinn, denn es gab keinen Text zu dem Phänomen, das ich als "Urbanism according to Heino Ferch" entdeckt zu haben glaubte und das womöglich für "Bavarität" in Frage gekommen wäre. Doch es steckte Arbeit in diesem, nennen wir es mal Projekt, das während des Lockdown im Norden Münchens entstand. Und mir ist es wichtig, diese Arbeit nicht zu vergessen. Es folgen also Erinnerungen an 2020: Während des Lockdown konnte man nicht viel mehr tun als zu arbeiten, Serien zu streamen oder durch das Quartier zu streifen, um frische Luft zu schnappen. Nun gehört insbesondere letzteres unter dem Namen "Derive" zu den Kernkompetenzen aller Urbanisten. Eine fremde Stadt zu Fuß zu erkunden ist nach wie vor der beste Weg, einen Eindruck von ihren Bauten und ihren Bewohnern zu bekommen. Kurz gesagt, so lernt man die Kultur einer Stadt kennen. Dieses Wissen einer Bestandsaufnahme zu unterziehen, zu revidieren und zu kor...

Bavarität – Outtakes part 5

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Das Thema der Erinnerungskultur in der gebauten Umwelt nimmt in "Bavarität" eine wichtige Rolle ein. Dasselbe gilt für Texte, die ich während der Pandemie geschrieben habe. Sie befassen sich nicht nur mit der Lage in Bayern, sondern auch in den USA. Hier fand ich insbesondere den Kontrast zwischen den Zielen verschiedener Protestbewegungen bemerkenswert, der kaum unterschiedlicher sein könnte. Meine These dazu besteht darin, dass insbesondere der Querdenker-Protest in Deutschland durch den Mangel eines korrespondierenden räumlichen Milieus in der bürgerlichen Stadt in seiner Wirkung eingeschränkt blieb und auf bestehende Räume auch nicht einwirken konnte. Dem gegenüber stehen die Bürgerrechtsproteste insbesondere in den USA, die sich spürbar und kreativ auf den Charakter des öffentlichen Raums auswirkten. Die einen konnten ihre Botschaft nicht baulich-räumlich verstärken, die anderen schon. Hier also ein unveröffentlichter Text zu dieser These, überarbeitet und ergänzt:  In d...

Bavarität – Outtakes part 3

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Ein Text, der nicht in "Bavarität" übernommen wurde, handelt von dem pandemischen Alltag der Quarantäne "dahoam" und der unmittelbaren Zeit danach, als sich Menschen wieder besuchen konnten. Das hat nicht in allen Fällen zur Zufriedenheit aller Beteiligten geklappt. Hierzu habe ich meine eigenen, launisch-launigen Beobachtungen im Juli 2020 aufgezeichnet. Zu diesem Zeitpunkt lebte ich noch in München. Der zentrale architektonische Schauplatz ist der Balkon: Kriegsschauplatz Balkon Auf den Balkonen dieser Stadt, wenn nicht sogar dieser Welt tobt der wahre Krieg. Ja, wohin sollte man sich auch hinverdrücken, im Lockdown? Heimlich oder verkleidet (etwa als Baum) im öffentlichen Raum frische Luft schnappen? Und es ist wahr, andernorts schicken Regierungen hoch militarisierte Geheimpolizisten ins Rennen, um friedlichen Demonstranten Gummigeschosse in den Rücken zu schiessen. Ganz zu schweigen von den Dramen in den Intensivpflegestationen. Aber der Balkon, dort werden rea...

Bavarität – Outtakes part 2

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Als es um die Zusammenstellung der Texte für "Bavarität" ging, fand nicht alles Platz im Buch. Das hat thematische Gründe, denn eine ganze Sammlung von Texten befasste sich mit der Coronapandemie und wie wir in der gebauten Umwelt damit umgehen – oder vielmehr umgegangen sind. Dazu habe ich im zweiten Kapitel mit dem Schwerpunkt "Raum als Krise" gesagt, was gesagt werden musste. Manche meiner veröffentlichten oder nicht veröffentlichten Artikel zu diesem Aspekt bayerischer Baukultur sind demnach nicht im Buch enthalten. Um sie zu präsentieren, bietet dieser Blog einen geeigneten Platz: Kleine Nachbarschaftsanpassungen Wenn es um urbane Krisen geht, werden gerne, oft und zurecht grosse Stadtplanungs- und Städtebaukonzepte und -Strategien entwickelt und vorgeschlagen. Nachhaltigkeit, Resilienz und Smart Cities sind nur ein paar dieser Konzepte. Die damit verbundenen Strategien sollen Risiken mindern, ganz vermeiden oder dazu beitragen, dass man sich an sie anpasst. Wi...